Ostbayern ist das deutsche Burgenland. Die unsichere Grenze zum
slawischen Osteuropa machte eine befestigte Sicherung des Landstreifens
unabdingbar. Hier eine kleine Auswahl an frei zugänglichen
Burgen und Ruinen, bei denen sich ein Autostop für eine
Besichtigung lohnt:
Die
Burg Hof am Regen (Stadt
Nittenau) fällt auf den ersten
Blick nicht besonders auf. Der kleine Rest der Ministerialenburg, ein
romanischer Burgturm,
scheint nicht bemerkenswert. Doch genau dieser birgt ein Kleinod in
seinen Mauern: Im Erdgeschoß, zwei Meter über dem Niveau des
ehemaligen Burghofes, nimmt eine Kapelle ein. Diese zieht sich
über den Zugang zur inneren Burg und ist daher den in dieser Zeit
häufig vorkommenden Torkapellen zuzuordnen. Im Chor und der Apsis
haben sich seltene romanische Wand- und Deckenmalereien erhalten.
Über der Kapelle befinden sich noch zwei Stockwerke, deren
Funktion und Nutzung Rästel aufgeben. Wahrscheinlich waren sie als
letzte Zufluchtsstätte im Falle einer Belagerung gedacht. Der
Burgturm wird für
kulturelle Veranstaltungen aller Art genutzt. Insichtweite liegt die
Burg Stefling. Wer Lust auf etwas Wandern hat erreicht die Geisterburg
Stockenfels innerhalb von 45 Minuten Wandern.
Die ehemalige Staufer-Burg Donaustauf
ist selbst als Ruine nicht nur
von der Ausdehung her imposant. Wer sich die Vorburg ansieht versteht,
wie im Jahre 1388 eine Besatzung von nur 170 Mann einem bayerischen
Belagerungsherr standhalten konnte. Über dem Tor zu inneren Burg
befand sich eine romanische Kapelle, die heute nur in Teilen erhalten
ist. Die in Fachkreisen oft beschriebenen romanischen Freseken sind
heute leider nicht mehr sichtbar. Von der Ruine aus herrscht bei gutem
Wetter eine phantasische Fernsicht, donauaufwärts bis nach
Regensburg, donauabwärts bis Straubing. Als das alte Reich dem
Ende zuging, wurde mit den Territorien der ehemaligen Reichsstadt
Regensburg, der Herrschaften Hohenburg, Wörth und eben Donaustauf
das letzte geistliche Fürstentum geschaffen, das allerdings nur 7
Jahre bestand hatte. Weiterhin sehenswert: Auf dem Berg
gegenüber liegt Walhalla, in den 1830iger Jahren von König
Ludwig I. als "Nationale Ruhmeshalle" erbaut.
Die
Burgruine Kallmünz
liegt auf einem Jura-Felsen über
dem
Zusammenfluss von Naab und Vils. Schon in vorgeschichtlicher Zeit muss
auf dem Schloßberg eine Siedlung bestanden haben, zumindest legen
dies Bodenfunde nahe. Fassbar ist auch eine Fluchtburg zur Zeit der
Ungarneinfälle im 8. und 9. Jahrhundert. Diese Anlage wurde in das
Verteidigungswerk der hochmittelalterlichen Burg einbezogen. Ruiniert
wurde die Anlage, wie so viele Befestigungen der Region, im
30jährigen Krieg von den Schweden. Sehenswert sind auch die
Bürgerhäuser und die beiden Schlösser innerhalb der
Marktmauern. Die Ruine ist heute ein beliebtes Ausflugsziel in der
Region Regensburg, vor allem bei schönem Wetter. Ein paar
Kilometer, in Burglengenfeld, liegt die größte Burgenanlage
Ostbayerns. Diese wird als Pflegeheim genutzt und ist leider nicht zu
besichtigen. Bei guter Fernsicht reicht der Blick über das Naabtal
über den Münchshoder Beerg hinaus bis fast nach Schwandorf.
Von
der einst stolzen Burg Chameregg (heute ein Stadtteil
von Cham) ist
nur wenig aufstehendes Mauerwerk erhalten. Der ehemalige Bergfried, der
Ödenturm mit seinen drei Meter dicken Mauern, ist ein Wahrzeichen
des Chamlandes. Ebenfalls noch sichtbar ist ein Teil des Berings und
ein Rest des Burggrabens. Die Ministerialen-Burg lag strategisch
über der Chamb und kontrollierte so den Weg von Cham nach Furth.
Wann die Anlage im vorderen Bayerischen Wald ruiniert wurde,
lässt sich nicht mehr genau feststellen. Die Legende will es, dass
Chameregg von den böhmischen Husitten im 15. Jahrhundert
zerstört wurde. Heute gehört Chameregg dem Bayerischen
Waldverein und ist die einzige Burg auf dem Stadtgebiet von Cham. Nur
einen Steinwurf entfernt, im Stadtteil Chammünster lohnt sich ein
Besuch des dortigen Friedhofs. Im Karner warten hunderte von Gebeinen
und Todenköpfen auf den gruselfreien Besucher.
Weitere interessante Seiten zum Mittelalter in der Oberpfalz sind der Regensburg-Weblog mit den Mittelalter-Projekt, Waldherz mit kulturellen Events im Oberpfälzer Wald, Ambergensis mit Hintergündigem zur ehemaligen Residenzstadt Amberg und natürlich unser LARP-Portal GeschichteLeben.