Fahrwerkstuning, Tieferlegung - Was ist zu beachten? (Fahrgefühl Tuning)

Eine sehr beliebte und auch effektive Möglichkeit, PKW sowohl optisch als auch fahrdynamisch zu verbessern, ist das sogenannte Fahrwerkstuning. Darunter ist die Modifikation aller Teile der Radaufhängung zu verstehen, meistens jedoch werden nur an Stoßdämpfern und Federn Veränderungen vorgenommen. Vorweg möchte ich dazu anmerken, dass derartige Umbauten zum einen ein gewisses KnowHow und Erfahrung erfordern und zum anderen auch Spezialwerkzeuge bzw. Maschinen notwendig sind, um kein Sicherheitsrisiko einzugehen und teuere Schäden zu verhindern. Deshalb ist es ratsam, diese Umbauten von einer Fachwerkstatt vornehmen zu lassen.

Empfehlungen für die Tieferlegung
Den optischen Effekt des Fahrwerkstunings bewirkt die Tieferlegung, die durch eine Verkürzung der Federn erreicht wird. Zusammen mit der Vergrößerung der Rad-Reifen Kombination verleiht sie dem PKW ein bulligeres Aussehen. Als vernünftiger Wert bei Limousinen und Kompaktwagen hat sich eine Tieferlegung um ca. 40 mm herausgestellt. Bei Coupes und Sportwagen reduziert sich dieser Wert, da sie meist serienmäßig schon weniger Bodenfreiheit haben. Höhere Werte bringen Einbußen hinsichtlich des Komforts und des Fahrverhaltens mit sich, da die Fahrwerksgeometrien nicht dafür ausgelegt sind. Dies gilt ebenso für so genannte Keilformfahrwerke, bei denen die Vorderachse tiefer gelegt wird als die Hinterachse, wodurch die Gewichtsverteilung und damit die Balance empfindlich gestört werden.

Verständnis für das Fahrwerk
Um die Verbesserung der Fahrdynamik zu erläutern, ist ein kurzer Ausflug in die Fahrzeugtechnik hilfreich. Über die Federn stützt sich das Gewicht des Fahrzeugaufbaus auf den Reifen und damit auf der Straße ab. Da jedoch Federn die Eigenschaft haben bei Auslenkung in die andere Richtung zurück zu schwingen, ist es notwendig, diese Überschwinger zu dämpfen, da sonst der Reifen von der Fahrbahn abheben bzw. der Aufbau nachschwingen würde. Diese Aufgabe kommt den Stoßdämpfern zu teil. Mit ihnen wird diese Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt, indem Öl unter hohem Druck durch kleine Bohrungen fließen muss. Die Größe dieser Bohrungen bestimmt dabei den Widerstand, den das Öl überwinden muss, und damit die „Härte“ des Dämpfers. Dabei wird zwischen der Einfederbewegung, die sich Druckstufe nennt, und der Ausfederbewegung, der Zugstufe, unterschieden. Ein weiteres Bauteil, dem fahrdynamisch große Bedeutung zukommt, das aber kaum Beachtung findet, ist der Stabilisator. Er koppelt die Räder einer Achse miteinander und reduziert die Seitenneigung bei Kurvenfahrt.

Für das verbesserte Fahrverhalten sind in erster Linie zwei Gründe verantwortlich. Zum einen bewirkt die Tieferlegung des Fahrzeugs eine Absenkung des Schwerpunkts und damit geringere Aufbaubewegungen. Ebenfalls der Aufbaubewegung entgegen wirkt die Verwendung von härteren Federn. Beides reduziert die Seitenneigung bei Kurvenfahrt, aber auch die Neigung um die Querachse beim Beschleunigen und Bremsen. Den wichtigsten Einfluss auf das Fahrverhalten haben jedoch die Stoßdämpfer. Durch ihre straffere Auslegung ermöglichen sie ein direkteres Einlenkverhalten und Fahrbahnunebenheiten werden besser geschluckt.

Tips und Tricks für die Sicherheit
Wie vorher schon erwähnt bringen Fahrwerksumbauten auch immer ein gewisses Risiko mit sich. Außerdem sind Veränderungen an der Fahrzeughöhe eintragungspflichtig und müssen daher vom TÜV abgenommen werden. Der erste Blick gilt dabei der Freigängigkeit der Reifen. Selbst bei maximaler Einfederung und Lenkwinkel (an der Vorderachse) darf er nicht an Kotflügel bzw. Radhaus scheuern. Des Weiteren muss ein ausreichender Restfederweg gewährleistet sein, um Fahrbahnunebenheiten ausgleichen zu können. Auch die Bodenfreiheit muss noch groß genug sein, um ein 80 cm breites und 11 cm hohes Hindernis überfahren zu können, ohne es zu berühren. Wichtig ist nach dem Umbau, die Fahrwerksgeometrie (also Sturz, Spur und Nachlauf) zu überprüfen und anzupassen, da es sonst zu erhöhtem Reifenverschleiß kommen kann. Auch das Fahrverhalten wird durch falsche Einstellungen merkbar verschlechtert.

Günstig ist nicht gleich Gut!
Die preisgünstigste Lösung, den PKW tiefer zu legen, ist der Einbau von kürzeren und härteren Federn, ohne an den Stoßdämpfern was zu verändern. Trotzdem ist dazu nur bedingt zu raten, da die nicht zu den härteren Federn passenden Stoßdämpfer das Fahrverhalten verschlechtern und im Extremfall die serienmäßigen Dämpfer dadurch sogar beschädigt werden können. Empfehlenswert sind so genannte Komplettfahrwerke, bei denen man optimal aufeinander abgestimmte Feder-Dämpfer-Kombinationen erhält. Das Nonplusultra stellen verstellbare Stoßdämpfer dar, bei denen man die Kennlinie entsprechend den persönlichen Bedürfnissen anpassen kann. Ratsam ist es aber auch hier die Abstimmung durch einen Fachmann vornehmen zu lassen und diese im besten Fall auf einer abgesperrten Straße oder Rennstrecke durchzuführen, um auch Extremsituationen testen zu können. Weitere Performanceverbesserungen hinsichtlich der Kurvengeschwindigkeiten sind außerdem durch härtere Stabilisatoren möglich. Um eine reibungslose TÜV-Abnahme und Eintragung in die Fahrzeugpapiere sicher zu stellen, sollte darauf geachtet werden, dass die Komponenten entweder mit einer ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) oder einem Gutachten vom Hersteller geliefert werden.
Autor: Andreas


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